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Private Schulen sind für Huff unerträglich

Parteiprogramme sind nicht sein Ding. „So ‘was liest doch sowieso keiner“, sagt Siegfried Huff. Politik muss für ihn nah am Menschen sein. Der 72-jährige Langscheider tritt bei der Landtagswahl am 14. Mai im Wahlkreis Arnsberg, Sundern, Schmallenberg und Eslohe als Direktkandidat für die Partei „Die Linke“ an. Von großen Parteiparolen hält er nichts. „Ideologie ist ja gut und wohl“, sagt er beim Gespräch „Auf’nen Kaffee“ mit unserer Redaktion im Seehof am Sorpesee, „aber man muss auch mal ‘was umsetzen können.“

Rote Karte für Ungerechtigkeit

Pragmatische Politik will er machen, nahe an der Lebenswirklichkeit. Siegfried Huff - im unpolitischen Leben immer noch aktiv als Fußball-Schiedsrichter auf den Sportplätzen der Region unterwegs - zeigt sozialer Ungerechtigkeit die Rote Karte. „Wir haben hier im Hochsauerlandkreis und auch in Sundern richtige Armut“, sagt er. Dieses Wissen hat ihn auch zur „Linken“ gebracht.

2013 war er in die Partei eingetreten und hatte gleich erfolgreich um den Einzug in den Sunderner Stadtrat gekämpft. Dort schmiedete er mit am Bündnis, das Ralph Brodel an die Verwaltungsspitze brachte und das CDU-Abo auf den Bürgermeisterposten aufkündigte.

Auf kommunaler Ebene unterstützt er einen Mann der SPD. Aus der Partei, in der er 39 Jahre lang Mitglied war, ehe ihn die Agenda 2010 von Ex-Kanzler Gerhard Schröder im Jahr 2002 aus den Reihen der Sozis getrieben hatte. „Das passte nicht mehr zusammen“, erinnert er sich. Siegfried Huff ist politisch schwer festzulegen, denkt frei und nimmt kein Blatt vor den Mund. Und so hat er als „Linker“ gar keine Probleme damit festzustellen, dass er „auch mit der CDU gut zusammenarbeitet“.

„Keine Weltpolitik machen“

Parteiprogramme und Ideologien hin oder her. Im Wahlkampf für die „Linken“ will ihn das nicht jucken. „Ich mache im Landtagswahlkampf keine Weltpolitik“, sagt er. Was er zu sagen hat, müsse sich um die Menschen vor Ort drehen. Der ehemalige Zeitsoldat und Diplom-Verwaltungswirt ist stolz darauf, „seit Ewigkeiten Gewerkschaftler“ zu sein. Noch heute ist er Mitglied im Kreisvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Schulpolitik ist ihm ein wichtiges Thema. Die Gesamtschule findet er ganz nach dem Meinungs-Mainstream seiner Partei gut. „Aber nicht auf Kosten der Gymnasien“, sagt er, „das ist nämlich auch eine gute Schulform“. Was er will, ist soziale Bildungsgerechtigkeit. Kostenlose Bildung für alle - von der Kita bis zur Uni und unter staatlicher Trägerschaft. „Die private Grundschule in Langscheid ist für mich unerträglich“, sagt Siegfried Huff.

Arnsberger „Wahlhelfer“

Im Wahlkampf für die Landtagswahl setzt er auf die Unterstützung seiner Arnsberger Kollegen Werner Ruhnert, Martin Werner und Christin Thielemann. Auch sie gehören zu der eher pragmatischen Fraktion innerhalb der „Linken“ im Hochsauerlandkreis. Er will auf die Straße gehen. „Es bringt nur ‘was, wenn du mit den Menschen redest“, so Huff. Ein Thema werde dann auch die vernünftige Bezahlung in den sozialen Berufen sein.

Sorge bereitet ihm, der sich selbst einen „Alt-68er“ nennt, dass junge Menschen heute weniger für politische Ideale und Werte eintreten. „Wir sind doch schleichend bei einem Neo-Liberalismus angekommen“, so Huff. Spürbarer Nachwuchsmangel in den Parteien und Gewerkschaften sind bedrohliche Anzeichen. Es müsse mehr für die politische Bildung junger Menschen getan werden. „55 Prozent Wahlbeteiligung ist nicht akzeptabel“, sagt Siegfried Huff, „wir alle dürfen mit unserer Demokratie nicht so schludrig umgehen“.


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